
Die Kirche San Giovanni in Valle
Besuchen Sie die Kirche San Giovanni in Valle, eine der ältesten Gotteshäuser der Stadt!
Einige Skulpturfragmente aus dem späten 6.und frühen 7. Jahrhundert lassen vermuten, dass die Kirche bereits in der Zeit der langobardischen Gastaldaga errichtet wurde.
Sicher ist, dass es die Kirche bereits Mitte des 7. Jahrhunderts gab, da einige langobardische Adelige in ihrem Inneren – vor dem heutigen Presbyterium – bestattet wurden.
Wahrscheinlich diente die Kirche seit den Anfängen der langobardischen Herrschaft in Cividale als Kirche der lokalen Adelsfamilien. Ebenso wahrscheinlich ist, dass die Kirche ursprünglich als religiöses Zentrum einer arianisch‑christlichen Gemeinschaft entstand.
Die Umwandlung von einer Kultstätte der Gastaldaga zu einer Klosterkirche erfolgte zwischen dem späten 9. und frühen 10. Jahrhundert.
Über die ursprüngliche Gestalt der Kirche San Giovanni in Valle ist nur wenig bekannt. Der heutige Baukörper ist das Ergebnis zahlreicher aufeinanderfolgender Umbauten zwischen Mittelalter und Renaissance, bevor der große bauliche Erweiterungseingriff im 18. Jahrhundert sein heutiges Erscheinungsbild prägte.
Spuren des ursprünglichen Bauwerks
Die wenigen im letzten Jahrhundert durchgeführten Sonderierungsgrabungen haben Spuren des ursprünglichen Grundrisses und späterer Umbauten am Gebäude zutage gebracht.
Die erneute Auswertung dieser Daten mithilfe neuer archäologischer Untersuchungsmethoden und Analysen des Mauerwerkes ermöglicht es, ein grobes, wenn auch nur vorläufiges Bild der vorgenommenen baulichen Veränderungen am Gebäude zu zeichnen. Diese betreffen mindestens vier wesentliche Phasen der Architektur:
- Die frühmittelalterliche Kirche
- Die Kirche des 14. Jahrhunderts
- Die nachmittelalterliche Kirche
- Die Kirche des 17. und 18. Jahrhunderts, die bis heute erhalten ist.
Die monumentalen Gräber
Wie aus den Aufzeichnungen von Lorenzo del Torre, einem bedeutenden Kanoniker und Gelehrten aus Cividale, hervorgeht, kam bei den von den Nonnen nach einem Blitzschlag im Jahr 1751 veranlassten Reparaturarbeiten im Inneren der Kirche ein außergewöhnlicher Fund zutage.
Direkt vor den Stufen, die zum Altar hinaufführen, wurden unter dem Fußboden drei langobardische Gräber entdeckt. Es handelte sich um Steinsarkophage, die in unterirdischen Grabkammern lagen. Es wird von einer reichen Grabbeigabe mit zahlreichen kleinen Goldkreuzen berichtet, was auch durch einen Kupferstich aus dem 18. Jahrhundert, der einige dieser Grabbeigaben zeigt, belegt wird.
Die Art der Gräber und die Qualität der Beigaben entsprechen dem berühmten Grab des Herzogs Gisulfo, das in Piazza Paolo Diacono in Cividale entdeckt wurde. Auch dort befand sich ein Steinsarkophag, der in einer kleinen unterirdischen Mauerwerkskammer aufgestellt war. In beiden Fällen handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Ruhestätten hochrangiger Mitglieder des langobardischen Adels der Stadt.
Die bis heute erhaltenen Fundstücke sind im Nationalen Archäologischen Museum von Cividale ausgestellt.
Die Kirche des 17. und 18. Jahrhunderts
Zwischen dem späten 17. und dem 18. Jahrhundert wurde die Kirche San Giovanni in Valle mehrfach umgebaut und erhielt dabei ihr heutiges Erscheinungsbild. Das gesamte Gebäude wurde erhöht, das Zugangssystem verändert und das Hauptportal versetzt. Auf seinem Architrav ist die Inschrift Anno Domini MDCXCIV (1694) eingraviert. In einer darauffolgenden Bauphase wurde die Erhöhung des Glockenturms fertiggestellt. Ein weiterer 1776 abgeschlossener Bauabschnitt umfasste die Errichtung der Sakristei neben dem Glockenturm sowie die Anlage eines Narthex, einer innenliegenden Vorhalle am Eingang der Kirche.
Die Kunstwerke im Inneren der Kirche
Der Hochaltar
Der Hochaltar wurde 1674 vom venezianischen Meister Paolo Zuliani geschaffen. 1700 wurde er mit vier geschnitzten Engeln von Antonio Comaretto da Gemona und 1750 mit drei Altarbildern von Ercole Graziani bereichert. Diese zeigen in der Mitte die Himmelfahrt Mariens und an den Seiten Johannes den Täufer und Johannes den Evangelisten. Das Kymation ist der Darstellung der Dreifaltigkeit aus dem späten 16. Jahrhundert, die zumeist Palma il Giovane zugeschrieben wird, gewidmet.
Die Seitenaltäre
Die Seitenaltäre stammen aus dem Jahr 1817 und wurden von Giacomo Vassalli aus Lugano in Stuckmarmor ausgeführt.
Der rechte Seitenaltar wird durch ein Altarbild bereichert, das den Erzengel Michael, den heiligen Benedikt und die heilige Klara zeigt und vom Venezianer Pietro Antonio Novelli (1729–1804) stammt, einem Anhänger der großen Malerschule des Veneto im 18. Jahrhundert.
Der linke Seitenaltar ist mit einem Altarbild geschmückt, das den gekreuzigten Christus zwischen der seligen Benvenuta Boiani und der heiligen Ursula mit ihren Gefährtinnen zeigt und von Palma il Giovane (1549–1628) geschaffen wurde. Das Altarbild war ursprünglich für das Kloster von Cella (ca. 80 km entfernt) bestimmt.
Das Fresko des heiligen Johannes des Täufers
Neben den architektonischen Erneuerungen setzte sich im 18. Jahrhundert auch die künstlerische Ausschmückung der Kirche fort. Davon zeugt das Fresko Die Predigt des heiligen Johannes des Täufers, das 1771 von Giuseppe Diziani geschaffen wurde und in einer Stuckrahmung in der Mitte des Kirchenschiffs eingefasst ist.
Jacopo Palma il Giovane
Das künstlerische Vermächtnis von Jacopo Palma il Giovane (Venedig, um 1549–1628) in Cividale ist umfangreich: Werke von ihm sind im Dom, in der Kirche San Pietro ai Volti und in der Kirche San Giovanni in Xenodochio erhalten.
Als einer der einflussreichsten venezianischen Maler des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts und Erbe der großen venetischen Tradition prägt Palma il Giovane die Kunstszene nach Tintoretto mit einem außerordentlich umfangreichen OEuvre, das sich durch seine herausragende Porträtkunst und die ausgeprägte didaktische Funktion seiner Altarbilder auszeichnet.
Das Œuvre von Palma il Giovane ist insgesamt geprägt von einer ausgefeilten Lichtregie, die seine Figuren in eine dunkle, nur von gezielten Lichtakzenten durchbrochene Atmosphäre taucht. Zugleich zeichnet es sich durch eine sorgfältige, bis ins Detail gehende physiognomische Charakterisierung der dargestellten Personen aus, die mit überzeugendem Naturalismus erfasst sind und die künstlerische Reife seines Schaffens eindrucksvoll belegen.
Giuseppe Diziani
Als eine bemerkenswerte Figur innerhalb der venezianischen Malerei der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhielt Giuseppe Diziani (Venedig, 1732-1803) seine Ausbildung in der Werkstatt seines bekannteren Vaters Gaspare.
Mit neunundzwanzig Jahren wird er in die Zunft der venezianischen Maler aufgenommen. Die Verzögerung seines beruflichen Einstiegs dürfte sowohl mit der langen Dauer seiner Ausbildung als auch damit zusammenhängen, dass Giuseppe über mehr als ein Jahrzehnt hinweg an der Seite seines Vaters an den zahlreichen Freskenaufträgen für venezianische Paläste und für Residenzen auf dem Festland beteiligt war.
Die Werkstatt des Vaters gehörte zu den angesehensten in Venedig, nicht zuletzt aufgrund ihrer Fähigkeit, sich den wandelnden Vorlieben einer sich verändernden Auftraggeberschaft anzupassen, und auch weil Vater und Sohn dafür bekannt waren, häufig in die Lombardei zu reisen.






