
Der Tempietto nach der Langobardenzeit
Der Tempietto Longobardo wird zum Oratorium des Klosters Santa Maria in Valle
Der Tempietto Longobardo, wie er heute zu sehen ist, ist das Ergebnis zahlreicher struktureller und gestalterischer Restaurierungsmaßnahmen unterschiedlicher Epochen, die zu seiner Erweiterung und später zu seiner Erhaltung beigetragen haben.
Die einstige Palastkapelle des königlichen Hofes wurde nach der Langobardenzeit zu einem monastischen Oratorium umgewandelt. Der Tempietto wurde nämlich in das Bauwerk des Klosters Santa Maria in Valle integriert, das ab dem späten 8. Jahrhundert auf den angrenzenden Grundstücken errichtet wurde.
Aus diesem Grund ist der Tempietto Longobardo auch unter dem Namen Oratorium von Santa Maria in Valle bekannt.
Auf Entdeckungsreise
der Verwandlungen des Tempietto
Wie lässt sich die äußere und innere Verwandlung nachvollziehen, die der Tempietto im Laufe der Jahrhunderte erfahren hat? Durch zwei unterschiedliche Besucherrouten, die sich ergänzende Perspektiven bieten und Sie auf eine eindrucksvolle und faszinierende Reise durch die Geschichte des Tempietto führen werden – zwischen Kunst, Fresken, Dekorationen, architektonischen Entwicklungen, Real-Life Geschichten und ungelöste Rätsel.
Die „Weltliche Besucherroute“ verläuft im Erdgeschoss und ermöglicht es, den Tempietto von unten nach oben zu betrachten. Auf diese Weise lassen sich architektonische Lösungen erkennen, die seinem Inneren Licht, Höhe und eine überraschende räumliche Dynamik verleihen, und eine wahre Vielfalt an raffinierter Dekoration enthüllen.
Die zweite Besucherroute, der sogenannte „Geheime Gang der Nonnen“, führt in das Obergeschoss des angrenzenden Klosters Santa Maria in Valle. Entlang des Korridors, der einst zu den Zellen der Klausur führte, eröffnet sich ein unerwarteter und faszinierender Blick auf den Tempietto – ein Ausblick der Besucherinnen und Besuchern vergangener Zeiten verborgen blieb. Dort, wo der Korridor auf zwei der heute im Klosterinneren liegenden Außenfassaden des Tempietto trifft, kann man die Fresken aus dem 12. Jahrhundert bewundern, die diese Wände einst schmückten. Die berühmten Stuckarbeiten zieren die Innenseite einer der Wände, die dem Tempietto zugewandt ist. Und wenn man aus einem bestimmten Fenster blickt, geschieht das Unerwartete: Man steht den berühmten Heiligenfiguren direkt gegenüber, auf ihrer Höhe. Ein bewegender Moment!
Folgt man der Weltlichen Besucherroute, betritt man den Tempietto durch die kleine, später errichtete Sakristei. Hier erlebt man die der Fresken leuchtende Farbenpracht der Fresken aus dem 13. und 14. Jahrhundert, die das Presbyterium – den Raum der liturgischen Feier – schmücken.
Hier lässt sich erahnen, wie diese Dekoration einst auch die Wände des Hauptraums schmückte und die langobardischen Malereien des 8. Jahrhunderts überlagerte, die heute noch sichtbar sind.
Die zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert entstandenen mittelalterlichen Fresken, die einst die Wände und Lünetten des Oratoriums schmückten, wurden zwischen 1959 und 1961 abgetragen und restauriert. Sie sind heute in einem eigens dafür vorgesehenen Bereich des Bauwerkes, in der Kirche San Giovanni in Valle, ausgestellt.
Zu den Meisterwerken, die im Tempietto zu finden sind, gehört auch das prächtige hölzerne Chorgestühl aus dem späten 14. Jahrhundert, das älteste liturgische Ausstattungsstück Friauls, das von den Nonnen während der Gottesdienste verwendet wurde. Dank zahlreicher sorgfältiger Restaurierungsarbeiten hat das Chorgestühl seinen ursprünglichen Glanz wiedererlangt und schmückt heute die Wände des Tempietto. Seine Anfertigung wird der Äbtissin Margherita della Torre zugeschrieben.
Die Rolle der Auftraggeberinnen ist auch für die mittelalterlichen Kunstwerke von großer Bedeutung, die nach der langobardischen Zeit entstanden sind. Es handelt sich um eine äußerst einflussreiche weibliche Elite, die auch durch die Kunst ihren Rang und ihre Autorität zum Ausdruck brachte: die Äbtissin und die Nonnen des mächtigen Klosters Santa Maria in Valle.







