Tempietto Longobardo
(Der Langobardentempel)
Kostbares Schatzkästchen der Kunst, Geschichte und Legende
Von den Langobarden nach Mitte des 8. Jahrhunderts geplant und errichtet, hat der Tempietto Longobardo (Langobardentempel) 2025 nach einer umfassenden und sorgfältigen Restaurierung seinen ursprünglichen Glanz wiedererlangt.
Seit 2011 UNESCO-Welterbestätte, offenbart er zwischen Stuckverzierungen von seltener kunsthandwerklicher Qualität, eleganten Fresken, feinen architektonischen Details und noch ungelüfteten Geheimnissen ein wahres Schatzkästchen an Kunstwerken, das sich immer wieder neu entdecken lässt.
Ein bedeutendes Erbe für die kommenden Generationen
Die schlichte äußere Architektur dieses kleinen, fast über den Fluss Natisone überhängenden Bauwerks lässt kaum erahnen, welche Schätze sich in seinem Inneren verbergen. Rang und Macht der verschiedenen Auftraggeberinnen und Auftraggeber über die Jahrhunderte hinweg spiegeln sich dort wider.
Die architektonische Lösung gestaltet und erweitert den Raum auf überraschende Weise und die feinen Stuckdekorationen und Fresken, die auf äußerst talentierte Handwerker schließen lassen, sind in der langobardischen Kunst Italiens einzigartig.
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Tempietto Longobardo: Die Palastkapelle von Cividale
„Aus architektonischer Sicht steht das Gebäude zwischen Westen und Osten, zwischen Vergangenheit und Zukunft.“
Prof. H. Torp, Il Tempietto Longobardo: la cappella palatina di Cividale
„Aus architektonischer Sicht steht das Gebäude zwischen Westen und Osten, zwischen Vergangenheit und Zukunft.“ Mit diesen Worten fasste der Kunsthistoriker Hjalmar Torp, einer der größten Kenner des Tempietto Longobardo, bereits in den 1950er‑Jahren das Wesen eines der höchsten künstlerischen Ausdrucksformen der Langobarden in Italien zusammen.
Errichtet als Palastkapelle auf dem Gelände der Residenz des Gastalden – des königlichen Vertreters der Langobarden in Cividale – wurde der Tempietto im Laufe der Jahrhunderte mehreren baulichen und gestalterischen Restaurierungsmaßnahmen unterzogen. In seinem einerseits intim und andererseits majestätisch anmutenden Inneren vereinen sich raffinierte architektonische und künstlerische Ausdrucksformen, die von einem außergewöhnlichen Prozess kulturellen Austausches zeugen.
Ein Geflecht von frühmittelalterlichen, römischen, byzantinischen, mediterranen und orientalischen Einflüssen – unerwartet und faszinierend – verortet den Tempietto zwischen Osten und Westen, zwischen Vergangenheit und Zukunft: Er bewahrt Traditionen der Antike und kündigt zugleich wesentliche Merkmale der mittelalterlichen Kunst an.
Hinter dem Eingang öffnet sich ein kleiner quadratischer Raum, dessen überraschende Höhe und Kreuzgewölbe sofort ins Auge fallen. Zwischen polychromen Fresken, feinen Dekorationen und kunstvollen Stuckverzierungen erheben sich sechs weibliche Figuren, fast lebensgroß, hoch oben an den Wänden. Sie gehören zu den eindrucksvollsten und ambitioniertesten Auftragswerken des 8. Jahrhunderts, die bis heute erhalten sind.
Geheimnisvolle weibliche Gestalten
Die in Hochrelief fast lebensgroß gearbeiteten Statuen mit Heiligenschein wirken würdevoll und erhaben und könnten sechs Heilige darstellen – doch ihre Identität bleibt ungewiss. Ihre reiche Ausstattung bestätigt die Beteiligung äußerst geschickter Handwerker, wahrscheinlich aus Syrien und Palästina. Diese anmutigen, stolzen und nach wie vor geheimnisvollen Figuren haben den Tempietto in der ganzen Welt berühmt gemacht.
Zwischen antiken Gemälden und Ornamenten
Das Fresko mit Maria Magdalena sowie der heiligen Sophia mit ihren Töchtern Glaube, Hoffnung und Liebe ist von außergewöhnlicher Schönheit und gehört vermutlich zu den ältesten Kunstwerken des spätmittelalterlichen Bestandes im Tempietto (12.–13. Jahrhundert). Die vier Heiligen halten in der rechten Hand die Palme des Martyriums, während die linke – als Zeichen des Zeugnisses – geöffnet ist; nur die Hand der Hoffnung ruht auf der Brust, als Geste der Demut.






