Die Architektur des Tempietto
Der Tempietto Longobardo (Langobardentempel, auch bekannt als Oratorium Santa Maria in Valle) beeindruckt sofort durch seine schlichte, aber harmonische Struktur. Außen erkennt man zwei Hauptvolumen: den hohen, quadratischen Kirchensaal und das niedrigere, rechteckige Presbyterium. Die Bögen an den Wänden verleihen dem Gebäude Rhythmus und betonen seine Formen klar.
Doch erst im Inneren zeigt sich die eigentliche Besonderheit des Tempietto. Obwohl der Raum nicht sehr groß ist, wirkt er überraschend weit und luftig. Der Kirchensaal öffnet sich nach oben dank der bogenförmigen Nischen an den Wänden und dem Kreuzgewölbe, das an große christliche Bauten mit zentraler Kuppel erinnert. Das Presbyterium, in drei kleine Schiffe gegliedert, öffnet sich durch ein wunderschönes dreibogiges Fenster – drei Ziegelbögen, getragen von eleganten Marmorsäulen – zum Kirchensaal hin.
Ursprünglich betrat man das Gebäude durch ein großes Westportal, das von einem weiten Bogen eingerahmt war. Heute gelangt man stattdessen durch eine seitliche Tür auf der Südseite hinein, über einen mittelalterlichen Raum, der vermutlich als Sakristei diente.
Von diesem Eingang aus gelangt man direkt in das Presbyterium, wo man den Bereich des alten Altars sehen kann, der vor der Rückwand mit einer bogenförmigen Nische in der Mitte stand.
Die Aufteilung in drei kleine Schiffe folgt der christlichen Tradition, weist jedoch ein charakteristisches Merkmal auf: Die kleinen Tonnengewölbe ruhen auf einem abwechselnden System aus Säulen und Pfeilern, die römische Konsolen und Architrave tragen. Diese sind mit pflanzlichen Motiven verziert und wurden bewusst wiederverwendet, um einen antiken Stil zu evozieren.
Auch die Schranke, die Kirchensaal und Presbyterium voneinander trennt, besteht aus römischen und byzantinischen Elementen aus griechischem Marmor, die aus älteren Gebäuden stammen. Frühmittelalterlich und eigens für den Tempietto geschaffen sind dagegen die Basen und Kapitelle, die an das Taufbecken von Patriarch Kallistus (Mitte 8. Jahrhundert) erinnern, das heute im Christlichen Museum aufbewahrt wird.
Auf den Pfeilern der Schranke befinden sich frühmittelalterliche Kapitelle, die einst den Architrav der Ikonostase trugen – vermutlich den ursprünglichen –, auf dem im Mittelalter hölzerne Statuen des heiligen Johannes, der Madonna und ein Kreuz standen.
Die Forscher gehen davon aus, dass die Schranke nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort steht: Sie muss etwas weiter östlich gestanden haben, wie einige noch sichtbare Löcher in den Platten an den Säulenbasen und entlang der Umfassungsmauern nahelegen.






