Die Ursprünge des Klosters:
das Kloster der Königin
Das Kloster Santa Maria in Valle, zu dem auch die Kirche San Giovanni und der berühmte Tempietto Longobardo gehören, ist einer der bedeutendsten Orte der Langobardenzeit in Cividale. Hier bewahrt man einige der wichtigsten Zeugnisse langobardischer Kunst und Architektur aus dem 7.–8. Jahrhunderts.
Der Klosterkomplex ist zudem von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der städtebaulichen Entwicklung Cividales, insbesondere des Gebiets namens „Valle“, das südöstlich der Stadt liegt. Wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um eine natürliche Senke, die sich vom Dom und dem ehemaligen Patriarchenpalast – dem heutigen Nationalen Archäologischen Museum – bis zu den steilen Ufern des Natisone hinuntergeht.
In frühmittelalterlicher Zeit befand sich hier die langobardische Gastaldaga, der Sitz der königlichen Autorität und Residenz des königlichen Vertreters, des Gastalden.
In diesem Gebiet standen zwei äußerst bedeutende Gebäude: die Kirche San Giovanni, eine der ältesten Gotteshäuser der Stadt (7. Jahrhundert), und der Tempietto Longobardo, ein Meisterwerk langobardischer Kunst, der vermutlich für den königlichen Hof errichtet wurde.
Die Ursprünge des Klosters hängen mit einem Gebiet zusammen, das ursprünglich königlicher Besitz war. Erstmals erwähnt wird das Kloster in einer Urkunde aus dem Jahr 830, in der die karolingischen Kaiser Lothar und Ludwig dem Patriarchen von Aquileia die Verwaltung des Frauenklosters Santa Maria übertrugen – mit Ausnahme der Kirche San Giovanni, die weiterhin zur Gastaldaga gehörte.
Man kann daher sagen, dass das Kloster als königliche Stiftung entstand.
In den ersten Jahrzehnten nahm das Kloster nur einen Teil der Gastaldaga ein und nutzte vermutlich den Tempietto Longobardo als Kultstätte, der ursprünglich als Palastkapelle diente und später zum Oratorium Santa Maria in Valle wurde.
Zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert gelangte das Kloster schließlich in den Besitz des gesamten westlichen Teils der Gastaldaga, einschließlich der Kirche San Giovanni. Diese Erweiterung könnte mit der Ankunft der Nonnen aus dem Kloster im nahegelegenen Dorf Salt zusammenhängen, das von drei langobardischen Adligen und ihrer Mutter Piltrude gegründet worden war. Piltrude, die erste Äbtissin des Kloster von Salt, war eine Persönlichkeit, die die Tradition später eng mit Cividale verband – ein Hinweis darauf ist die Tatsache, dass sich bis 1968 im Tempietto ein mittelalterliches Grab befand, das als „Grab von Piltrude“ bekannt war.
Seit der karolingischen Zeit gehörte das Kloster Santa Maria in Valle über lange Zeit hinweg zu den Besitztümern, die von den Kaisern dem Patriarchen von Aquileia übertragen wurden, wie eine Urkunde Kaiser Ottos III. aus dem Jahr 986 bestätigt. Im Mittelalter entwickelte es sich zu einem bedeutenden Frauenkloster, das vor allem für Damen aus adligen Familien bestimmt war und durch Spenden, Privilegien und Einkünfte an Macht und Ansehen gewann. Seit der karolingischen Zeit gehörte das Kloster Santa Maria in Valle über lange Zeit hinweg zu den Besitztümern, die von den Kaisern dem Patriarchen von Aquileia übertragen wurden
Dieser Wohlstand förderte vor allem im Zeitraum zwischen 16. und 18. Jahrhundert den umfangreichen Ausbau des Klosterkomplexes und führte zu dem Erscheinungsbild, wie wir es heute kennen.
In den folgenden Jahrhunderten, nach einer langen Phase blühender Tätigkeit, teilte das Kloster das Schicksal vieler anderer geistlicher Einrichtungen: Es wurde in der napoleonischen Zeit aufgehoben und ging in staatlichen Besitz über.
1812 wurde das Kloster von der Gemeinde Cividale erworben. Nach einer Restaurierung wurde es zur Mädchenschule der Benediktinerinnen bestimmt. 1843 wurde eine Gemeinschaft von Ursulinen herangezogen, um die geringe Zahl der dort noch ansässigen Benediktinerinnen zu unterstützen. 1925 erlaubte ein Dekret des österreichischen Kaisers die Wiedereröffnung des Klosters, unter der Bedingung, dass die Nonnen weiterhin die Ausbildung junger Mädchen übernahmen.
Im Jahr 2000 ging der gesamte Komplex endgültig in das Eigentum der Gemeinde Cividale del Friuli über.
In jüngerer Zeit wurde das Kloster einer umfassenden Restaurierung und Aufwertung unterzogen, mit dem Ziel, den Zugang für Besucher als UNESCO-Welterbe zu verbessern und einem lokalen wie internationalen Publikum einen der bedeutendsten Orte der Geschichte Cividales erneut zugänglich zu machen.






